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Political Correctness als Nährboden des Populismus?

 Posted by cb on 1. Januar 2014 at 16:40  Aktuell
Jan 012014
 

Je politisch „korrekter“ die veröffentlichte Meinung und das intellektuelle Establishment, desto weiter scheint die öffentliche Meinung in die Gegenrichtung zu rutschen…

Immer öfter hört man in letzter Zeit von der „Gefahr von rechts“ – und etwa bezogen auf die EU-Wahl, macht sich sogar schon der seriöse ECONOMIST Sorgen (und die europäischen TEA PARTIES zum Titelthema.)

Ein Hauptgrund für den Höhenflug der Populisten (an beiden Enden des politischen Spektrums – zumal einander diese ja oft berühren) könnte die Angst vieler Politiker vor der Wahrheit sein. Sie machen sich und den Bürgern etwas vor: „Wir können Steuern kürzen, Staatsleistungen ausbauen, das Budget konsolidieren – und auch noch Schulden abbauen…“ Wer soll das denn glauben? Im Leben, wie in der Politik, gibt es nun einmal Konflikte, unterschiedliche Anschauungen – und schwer zu lösende Probleme. Die werden sich nicht durch positives Denken und eine rosarote Brille allein lösen lassen. Wer das beschönigt, gießt Wasser auf die Mühlen der Populisten: weil diese dann zu Recht sagen können, „Sie lügen euch an!“

Eines der Hauptübel in diesem Zusammenhang ist wohl all das, was unter „Political Correctness“ läuft. Handelt es sich dabei doch mehr oder weniger um die institutionalisierte Beschönigung… Höflichkeit und Sensibilität sind gut; Differenzierung – statt Vorurteilen – ist ebenfalls gut; Mitgefühl ist sogar sehr gut! Existierende Unterschiede einfach zu leugnen; den Menschen ihre ureigensten Empfindungen mehr oder weniger zu verbieten – ja die öffentliche Meinung gleichsam von oben herab zu verordnen – ist hingegen alles andere als gut. Und es bewirkt oft das genaue Gegenteil dessen, was es bewirken soll… Weil viele Menschen die Täuschung entlarven – und sich die versuchte Manipulation nicht gefallen lassen. (Oft kommt es sogar zu „allergischen“ Überreaktionen. Durch die sich leider wiederum die Gegenseite angespornt fühlt.)

Der ideologische Zweck scheint da fast alle Mittel zu rechtfertigen. So schaukelt sich die Polarisierung kontinuierlich hoch. (Bis zur gegenseitigen Paranoia.) Alles Unerwünschte wird auf die jeweils anderen projiziert.

Zwtl: Letztlich gibt es nur ein Mittel gegen (linke und rechte) Ideologien: Ehrlichkeit. Die Dinge beim Namen nennen…

Ideologien sind bestenfalls Teilwahrheiten – zur Rechtfertigung partikularer Interessen. Sie sind meist gegen jemanden oder etwas gerichtet – und führen daher fast immer zur Eskalation. Wir bräuchten vielleicht einmal ein „ideologiefreies Jahrzehnt“: Begriffe wie „Gutmensch“ oder „neoliberal“, werden viel zu häufig und leichtfertig verwendet. Sie werden dadurch zu „Keulen“, die eine sachliche und differenzierte Diskussion verhindern. Vielleicht sollte man sich manchmal daran erinnern, dass die „anderen“ auch nicht alle dumm oder böse sind – nur weil sie gerade eine andere Meinung oder andere Interessen haben?

  One Response to “Political Correctness als Nährboden des Populismus?”

  1. Dem Artikel kann ich mich nur anschließen. Gut auf den Punkt gebracht. Allen, die das Thema interessiert, empfehle ich mein gerade erschienenes Buch “Die Klodeckel-Chronik – Eine Gesellschaft auf dem Irrweg” (ISBN 978-3-7322-9307-0).

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