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Was bedeutet „Aufklärung“ heute (noch)?

 Posted by cb on 14. November 2013 at 13:28  Aktuell
Nov 142013
 

Viele reden oft und gerne über „die Aufklärung“. Was meinen sie eigentlich damit?

Die historische Epoche der Aufklärung ist lange her – einige der ursprünglichen Ziele ziemlich unwiderruflich verankert; andere wiederum, vielleicht auch nicht mehr ganz zeitgemäß… Was also kann heute noch damit gemeint sein?

Aufklärung betrifft Tabus, Glaubenssysteme und Ideologien. Damals ging es um eine Emanzipation gegenüber Adel und Klerus. Die sind aber heute wirklich nicht mehr sehr mächtig! Sie sind wohl durch Staat, Wissenschaft, Industrie, aber auch Medien ersetzt worden… Diesen gegenüber bedürfte es also eher einer „neuen“ Aufklärung.

Was wir hingegen heute als Aufklärung bezeichnen, ist meist selbst eine Ideologie. Eine erzkonservative sogar.

(Auch „die Moderne“ ist übrigens ja lange vorbei – dennoch wollen viele – vermeintlich fortschrittliche, im Grunde aber reaktionäre Geister – nach wie vor alles „modernisieren“. Wäre da nicht vielleicht eher etwas wie „Geistesgegenwart“ gefragt?)

Und auch die Ziele der französischen Revolution sind längst zur Ideologie verkommen: „Freiheit“ bedeutet dann immer mehr „Rechte auf…“; Gleichheit ist zusehends zum willkommenen Vorwand für die Entmündigung und Enteignung der Bürger geworden; und „Brüderlichkeit“ wird oft mit Kollektivismus, Zwangsbeglückung und Tugendterror verwechselt.

Wir bräuchten wohl längst eine neue – geistige, individuelle, „innere“ Revolution: die Befreiung des Einzelnen von all den äußeren Autoritäten – statt ständig nur von einer Abhängigkeit in die nächste zu wechseln. (Kaum waren wir doch jemals so abhängig, wie heute: vom Staat, vom Konsum, von Medien, von Experten…)

Wir brauchen jetzt eher Aufklärung darüber, wie sehr wir vom Staat bevormundet und beschnitten werden; wie groß unsere Konsumabhängigkeit – und deren Folgen! – geworden sind; wie unnatürlich (und ungesund) unsere Lebensweise geworden ist; wie schädlich es ist, dass sich die Staaten immer stärker verschulden; wie sehr „Wissenschaft“ mitunter auch zu einer Ideologie werden kann (die Menschen nicht befreit und ermächtigt – sondern abhängig und hörig macht); wie gefährlich es schließlich sein kann, dass wir immer weniger Werte schöpfen, dafür aber immer mehr Werte verbrauchen (was sich sowohl in der Kultur, als auch in der Natur zeigt!)

Wie weit wir also entfernt sind von einer Blüte – und wie nahe dem Verfall…

Europa bräuchte wohl viel eher wieder einmal eine echte Renaissance – statt ständig neuer Aufgüsse von „Aufklärung“ – oder?

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